Die nächste Generation: Cedric Pignot / Tobias Zinn
Ob Titelkampf oder Kellerduell in der OPEL HBL, ob Spitzenspiel oder Abstiegsthriller in der Handball Bundesliga Frauen, ob ein Nachbarschaftsderby in der 3. Liga oder die Finalrunde der Deutschen Jugend-Meisterschaft: Seit 2020 können die Schiedsrichter*innen des Deutschen Handballbundes (DHB) bei ihren Einsätzen auf die Unterstützung der KÜS bauen. Die jüngsten Unparteiischen, die das KÜS-Logo auf der Brust tragen, pfeifen im Perspektivkader – und werden dort auf höhere Aufgaben vorbereitet. Eins dieser Schiedsrichter-Teams sind Cedric Pignot und Tobias Zinn aus Bayern. Ein Blick auf die nächste Generation.
The post Die nächste Generation: Cedric Pignot / Tobias Zinn appeared first on KÜS.
Als Cedric Pignot und Tobias Zinn das erste Mal gleichzeitig auf dem Spielfeld standen, war das nicht als Schiedsrichter – zumindest nicht für beide. Pignot war als junger Schiedsrichter zusammen mit seinem Bruder für das C-Jugend-Spiel angesetzt, in dem Zinn damals als aktiver Spieler auflief. Pignot gab dem damals 13 Jahre alten Zinn eine Zeitstrafe, das weiß er noch. „Ich war damals nur gemäßigt zufrieden mit ihrer Leistung“, erinnert sich Zinn heute schmunzelnd. „Ihr habt doch gewonnen“, flachst Pignot.
Es ist ein ungewöhnliches Gespann, das die beiden Bayern bilden: Die meisten Gespanne im Perspektivkader kennen sich lange, weil sie als Freunde zusammen mit dem Pfeifen anfingen, im gleichen Verein spielten oder sogar Geschwister sind. Auf Pignot und Zinn trifft das nicht zu.

Pignot begann als Zwölfjähriger im Training mit dem Pfeifen und hing am Wochenende in der Halle herum. Kam ein angesetzter Schiedsrichter nicht („das kam immer wieder vor“), sprang er liebend gerne ein. Nach der erfolgreichen Lizenzausbildung schloss er sich mit seinem Bruder zusammen und stieg mit ihm schnell bis in die Oberliga Bayern auf. Zinn absolvierte die Lizenz ebenfalls so früh wie möglich, „ich wollte meinen Verein unterstützen“, sagt er. Er pfiff allerdings zunächst alleine, doch nach und nach wurde ihm klar: „So richtig kommt man alleine nicht voran.“
Was folgte, war Glück, oder vielleicht ein bisschen Schicksal. Der Bruder von Pignot ging 2021 ins Ausland und hatte generell keine Ambitionen über die Oberliga hinaus. Der ehrgeizigere Pignot war also auf der Suche nach einem passenden Partner. Über fünf Ecken landete diese Information beim Schiedsrichter-Verantwortlichen im Verein von Zinn – kurz bevor der damals 17-Jährige seinen Obmann ansprach, ob dieser ihm nicht eventuell einen Teamkollegen empfehlen könne.
So trafen sich Pignot und Zinn zum Kennenlernen. „Wir haben darüber geredet, was wir wollen und wo die Reise hingehen kann“, erinnert sich Zinn. „Es war schnell klar: Wir wollen beide nicht im Bezirk bleiben, sondern nach oben!“ Also schlossen sich die beiden ungleichen Schiedsrichter – Pignot hatte zu dem Zeitpunkt bereits drei Jahren Oberliga-Erfahrung, Zinn war noch ohne jegliche Erfahrung im Gespann – zusammen und wurden vom Landesverband dank Pignots Kaderstatus direkt in die Oberliga eingruppiert. „Man hat uns damals die Chance gegeben, es auszuprobieren“, erinnert sich Pignot. „Wenn es nicht geklappt hätte, hätte man uns zurückgestuft.“

Das war jedoch nicht notwendig: Mit nur einem gemeinsamen Testspiel erhielten sie 2021 ihre erste Ansetzung in der Männer-Oberliga, „in einer viel zu engen Halle in Mainburg“, wie sich Zinn erinnert. Dass sie damals aus Versehen den falschen Spieler mit einer roten Karte hinunterstellten, war schnell vergessen. Die Spielzeit lief so rund, dass sie bereits nach einem gemeinsamen Jahr in die Regionalliga aufstiegen und in der Saisonvorbereitung zum renommierten Sauerland-Cup – einem hochklassigen Jugendturnier in Menden – geschickt wurden.
Dass Zinn bei seinem ersten Einsatz im Seniorenbereich selbst noch 17 Jahre alt war, spielte ebenfalls keine Rolle. „Cedric hat mir mit seiner Erfahrung Sicherheit gegeneben“, sagt Zinn. „Viele Spieler kannten mich schon, das war ein Vorteil“, sagt Pignot und ergänzt mit einem Seitenhieb auf seinen Partner: „Und auch, wenn Tobi damals nicht zufrieden mit uns war: Bei den meisten Mannschaften hatten mein Bruder und ich einen guten Eindruck hinterlassen.“
Beim Sauerland-Cup stachen Pignot/Zinn den Schiedsrichter-Coaches des Deutschen Handballbundes ins Auge, doch die Kadereinteilung stand schon fest. Als Reservisten erhielten sie aber am 10. September 2022 ihre erste Ansetzung in der Jugendbundesliga der männlichen A-Jugend und wurden auch für „Jugend trainiert für Olympia“ nominiert, während sie sich parallel in der Regionalliga Bayern bei Männern und Frauen bewiesen.

Zur Spielzeit 2023/24 stiegen Pignot/Zinn dann offiziell in den Perspektivkader auf. Dass sie in ihrer Anfangszeit als Schiedsrichter so einen unterschiedlichen Weg gegangen waren, war längst kein Thema mehr, „Früher war ich nervös, weil ich weniger Erfahrung als Cedric hatte, aber das habe ich weggesteckt.“ „Wir ergänzen uns gut“, betont auch Pignot. „Tobi ist in kritischeren Situationen oft ruhiger als ich.“
Zu ihren Highlights der letzten Jahre gehören zwei Nominierungen für den Deutschland-Cup der weiblichen Jugend. 2025 pfiffen sie bereits das Spiel um Bronze, in diesem Jahr erhielten sie das Finale. Von der vollen Halle und der Einlaufzeremonie mit der Nationalhymne als Höhepunkt schwärmen beide begeistert. „Um solche Spiele zu bekommen“, sagt Zinn, „haben wir gearbeitet. Wir freuen uns riesig, dass wir diese Chancen bekommen haben und man das Vertrauen in uns gesetzt hat.“
In der aktuellen Saison 2026/27 gehören die beiden Bayern das erste Mal dem „Perspektivkader Plus“ an, dessen Schiedsrichter-Teams auch in der 3. Liga eingesetzt werden. „Ich bin sehr gespannt, wie es wird“, fiebert Zinn der neuen Aufgabe entgegen und spricht von einer „immensen Vorfreude“. „Die Mannschaften aus der 3. Liga kennen uns noch nicht, wir haben noch kein Standing“, weiß Pignot. „Wir müssen es schaffen, trotzdem unsere Linie vorzugeben, damit wir dort bestehen und nicht untergehen.“
Über die kommende Spielzeit hinaus wollen sie aktuell (noch) nicht denken. „Wir sind eher Pragmatiker“, sagt Zinn. „Bevor wir von der Ostseehalle träumen, wollen wir erst einmal die aktuelle Challenge meistern.“ Aber natürlich, auch das sagen beide offen, „wäre es cool, noch höher zu kommen.“ Dafür wird es auch eine Rolle spielen, wie es sich bei den beiden Bayern beruflich entwickelt. Zinn steckt aktuell noch mitten im Lehramtsstudium, Pignot promoviert in Wien und pendelt für das Pfeifen jedes Wochenende nach Deutschland.
Den Aufwand nimmt Pignot für die gemeinsame Leidenschaft jedoch gerne auf sich – ebenso wie seine Aufgabe im Landesverband. Pignot sitzt im Schiedsrichterausschuss und ist für den Förderkader zuständig. „Wir wollen unsere jungen Leute fördern und sie möglichst in den Perspektivkader bringen“, sagt er. Mit Erfolg: In der vergangenen Saison pfiff in Philipp Plötz / Vincent Plötz eins der Teams, die er im Landesverband unter seinen Fittichen hatte, zusammen mit Pignot im Perspektivkader.
„Tobi sagt mir manchmal, dass ich mehr auf unsere eigene Laufbahn gucken soll“, schmunzelt Pignot. „Er muss sich aber keine Sorgen machen: Unser Pfeifen geht natürlich immer vor. Ich freue mich aber, wenn wir im Landesverband etwas bewegen können und wir es anderen Teams ermöglichen können, denselben Weg einzuschlagen wie wir ihn gegangen sind.“
Fotos: Michael Hinz / photominister
The post Die nächste Generation: Cedric Pignot / Tobias Zinn appeared first on KÜS.



