Mein besonderes Spiel – Pelin Odabas: Das Idol auf dem Ohr
Ob Titelkampf oder Kellerduell in der OPEL HBL, ob Spitzenspiel oder Abstiegsthriller in der Handball Bundesliga Frauen, ob ein Nachbarschaftsderby in der 3. Liga oder die Finalrunde der Deutschen Jugend-Meisterschaft: Seit 2020 können die Schiedsrichter*innen des Deutschen Handballbundes (DHB) bei ihren Einsätzen auf die Unterstützung der KÜS bauen. Jede*r von ihnen hat in seiner Karriere bereits zahlreiche Spiele geleitet, doch jeder der knapp 300 Unparteiischen des Deutschen Handballbundes hat den einen Einsatz, den er oder sie nie vergessen wird. Dies ist die Geschichte vom besonderen Spiel von Pelin Odabas, die zusammen mit Lynn van Os in den Bundesligakader des Deutschen Handballbundes aufgestiegen ist.
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Unser letztes Spiel 2025/26 war der krasseste Saisonabschluss, den wir bisher in unserer Schiedsrichter-Laufbahn hatten. Wir waren Anfang Juni für das Finalturnier der erstmals ausgetragenen EHF Youth Club Trophy in Budapest nominiert – und durften nach einem Halbfinale auch noch das Endspiel zwischen DVSC Kézilabda Akadémia und CSM Bucuresti leiten.
An der EHF Youth Club Trophy haben 16 Mannschaften der weiblichen B-Jugend aus ganz Europa teilgenommen. Die erste Stufe waren vier Vorrundenturniere – und die vier Turniersieger haben sich für das besagte Finalturnier in Budapest qualifiziert. Wir haben beim Vorrundenturnier in Ankara gepfiffen und waren natürlich glücklich, als die EHF uns auch noch für das Finalturnier nominiert hat.
Wir sind am Freitag angereist, haben Samstag ein Halbfinale gepfiffen – und haben am Abend erfahren, dass wir am Sonntag noch das Endspiel leiten dürfen. Wir haben uns riesig gefreut, aber waren auch sehr nervös, denn das Finale wurde im großen MVM Dome ausgetragen, unmittelbar vor den Medaillenspielen des EHF FINAL4 der Frauen. In die Arena passen 22.000 Fans. Bei unserem Spiel war es natürlich noch nicht ganz so voll, aber da von CSM Bucuresti erst die weibliche B-Jugend in der EHF Youth Club Trophy gespielt hat und dann die Frauen im Spiel um Platz Drei der Champions League, war das Spiel sehr gut besucht.

Das Spiel war aus mehreren Gründen ganz besonders. Erstens war das ganze Erlebnis einfach überwältigend. Für das Endspiel der Youth Club Trophy wurde die gleiche Einlaufzeremonie wie in der großen Champions League zelebriert. Die Arena war abgedunkelt, die Musik war identisch, die Spielerinnen sind einzeln aufgerufen worden. Auch wir durften einlaufen – und in der Mitte dieser riesigen Halle zu stehen, war ein krasser Gänsehautmoment. Ein unglaubliches Gefühl.
Mit Anpfiff war die Nervosität weg, es war ein Spiel wie jedes andere – zumindest fast. Denn als Reservegespann saßen – und das ist der zweite Grund – Mads Hansen und Jesper Madsen an der Seite. Die beiden Dänen gehören als internationales Spitzenteam zur absoluten Weltspitze. Sie hatten am Vortag ein Halbfinale der Champions League geleitet und übernahmen bei unserem Spiel die Funktion als Reserveteam. Bei einem Videobeweis hätten sie uns unterstützt und gemeinsam mit dem Operator dafür gesorgt, dass wir die richtigen Kameras zugeschaltet bekommen. So ein Star-Schiedsrichter-Team – zusammen mit den beiden EHF-Delegierten – rund um das Spiel als Unterstützung zu haben, war heftig und eine absolut tolle Erfahrung. Ganz ehrlich: Hansen/Madsen waren vorher schon eins unserer Idole, wir schauen gerne ihre Spiele. Die Erinnerung an dieses besondere Erlebnis wird uns lange begleiten.
Und, last, but not least, der dritte Grund, was dieses Spiel so besonders macht: So ein Finale leiten zu dürfen, ist natürlich immer eine Auszeichnung. Wir investieren sehr viel in das Pfeifen, dahinter steckt eine große Leidenschaft. Ein Schiedsrichter auf diesem Niveau muss für das Pfeifen brennen. Und wenn dann so ein Anruf, so eine Nominierung kommt, ist das natürlich eine Belohnung. Für solche Momente lohnt sich die ganze harte Arbeit. Und der Bonus: Das Spiel war auch sportlich einfach hochklassig. Die Spielerinnen waren ultrastark, es war eine hochspanende Schlussphase und ging dann sogar in die Verlängerung. Das war Werbung für den weiblichen Nachwuchshandball und unsere Sportart!


Fotos: Dorian Frick / privat
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